Popinjay Schuss
Field Archery

Da wir von traditionellem Feldbogensport reden, möchte ich an dieser Stelle auf die verschiedenen Disziplinen und besonderen Schiesstechniken eingehen.
Es ist nämlich nicht wie bei der olympischen Disziplin, wo auf bestimmte, festgelegte Entfernungen eine vorgegebene Anzahl von Pfeilen geschossen wird. Es findet auch nicht auf einem ebenen Sportplatz oder in einer Halle statt. Und anstatt einer Schiesslinie gibt es Abschusspflöcke.
Auf einem Feld- oder Jagdparcours ist es eher wie auf einem Golf Course, wo die Entfernungen unbekannt sind und das Gelände unwegsam ist. Meistens schiessen wir im Wald. Deswegen ist es hierbei auch nicht von grossem Vorteil ein Visier einzusetzen, denn hierfür muß ich zuerst die Entfernung schätzen und das kann schwierig sein. So schiessen die meisten von uns instinktiv "aus dem Bauch heraus". Die Ziele sind auf einem Jagd- Parcours meist so gestellt, dass es auch einer jagdlichen Situation nahekommt. So muß ich mich manchmal bücken um unter einem Ast durch zu schiessen oder mich um ein Hindernis beugen, was jeden Schuss wieder anderst macht. Mein Ziel kann bergauf oder bergab stehen oder gar in einem Baum sitzen. Manchmal ist ein Wasser dazwischen oder ich schiesse gar von einem Hochstand. Und bestimmte Lichtverhältnisse mit Sonne und Schatten machen das ganze noch interessanter.
Diesen Gegebenheiten muss ich schießtechnisch Rechnung tragen. Einerseits sollte ich einen sauberen Schussaufbau beibehalten, mich aber andererseits der jeweiligen Situation anpassen. Wichtig ist hierbei, von der Hüfte ab aufwärts ein sauberes T beizubehalten um meine Auszugslänge nicht zu verändern. So muss ich für einen steilen Auf- oder Abwärtsschuss in der Hüfte einknicken. Um einem Hinternis vor mir aus dem Weg zu gehen, muß ich mich auch einmal zur Seite oder nach vorne lehnen. Wichtig ist hierbei, dass ich mit meinem führenden Fuß (Rechtshänder linker Fuß) den Abschußpflock berühre. Es gibt hier abweichende Regeln die für mich persönlich aber keinen Sinn machen.
Außer so manchen Hinternissen kann es aber auch Probleme durch optische Täuschungen geben. So kann es sein, dass ein Ziel weiter entfernt ist als es den Anschein macht. Das passiert beispielsweise, wenn wir "toten Grund" zwischen uns und dem Ziel haben. Gelände das von uns nicht eingesehen und so vom Unterbewusstein nicht mitberechnet wird.
Hier muss ich dann bewußt korrigieren und unser Unterbewußtsein austricksen. Deshalb ist es wichtig vor dem Schuss die Situation genau zu checken, Zeit haben wir genug. Man sollte auch unbedingt darauf achten ob die Flugbahn des Pfeiles wirklich frei ist und eventuell in die Knie gehen wenn man nicht sicher ist.


1. Suche einen guten und sicheren Stand u. schaue dass deine Wurfarme nirgendwo anschlagen können. Der Stand kann parallel, offen, geschlossen oder nach hinten versetzt sein. Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst und nicht verdreht bist (Comfort Zone).

2. Plaziere deine Bogenhand am Griffstück und nocke mit der Zughand den Pfeil unterhalb des Nockpunktes. Konzentriere dich auf den kleinsten Punkt im Ziel, neige dabei den Bogen zwischen 5 bis 10 Grad um ein freies Blickfeld zu bekommen. Beide Augen sind offen!

3. Fasse die Sehne mit zwei Fingern unter dem Pfeil und mit einem (Zeigefinger) darüber (mediterraner Griff). Gehe in Vorspannung und hebe den Bogenarm während du diesen Richtung Ziel drückst und gleichzeitig mit der Sehnenhand zum Ankerpunkt (Mittelfinger im Mundwinkel) ziehst (Push-Pull- Methode). Verlagere dabei das Zuggewicht auf die Schulter und baue ein sauberes T. Pfeil, Bogenarm und Ellbogen des Zugarmes befinden sich auf einer Linie (draw force line).

4. Lasse deinen Zugarm im Rücken regelrecht einrasten und warte bis sich ein gutes Gefühl einstellt, löse (passiver Vorgang). Falls die Sehne den Bogenarm berührt, drehe diesen im Uhrzeigersinn etwas ein ( Rechtshänder) oder öffne den Stand.

5. Halte nach (follow through) bis der Pfeil im Ziel auftrifft, senke den Bogenarm und entspanne dich wieder. (Und solltest du das Ziel verfehlt haben, erstrecht wieder entspannen, ha, ha)!

Clout, Roving & Flight Shooting

Hierbei handelt es sich wohl um die ältesten Disziplinen im traditionellen Bogenschiessen. Im Mittelalter waren dies Trainingsmethoden für Langbogenschützen.
Beim Clout-Schiessen wird auf eine feste Entfernung von 180 Yard (Erwachsene) versucht, so nahe wie möglich neben eine aufgestellte Flagge zu treffen. Um das zu schaffen muss man in einem Winkel von ungefähr 45 Grad in Richtung Flagge (Clout) schiessen. Bei Rückenwind etwas höher und bei Gegenwind tiefer halten. Dabei stehen alle Schützen an einer gedachten Schiesslinie (viele, viele nebeneinander). Jeder schiesst 3 Pfeile. Die Trefferaufnahme wird mit Hilfe eines Seiles vorgenommen, das in Abständen von einem Yard (90 cm) mit Knoten versehen ist. Das Seil wird mit einem Karabinerhaken an der Flagge eingehängt und ein Zirkel gezogen. Die höchste Wertung bekommen die Pfeile im inneren Radius.
Für das Cloutschiessen eignen sich die englischen Langbögen am besten, sie passen auch einfach besser ins Bild. Sollte unser Bogen nicht stark genug sein für die 180 Yard, so kann man auch mit den Damen und Jugendlichen eine kürzere Entfernung schiessen. Aber mit etwas Feintuning und den passenden Pfeilen bekommt man das schon hin, man muss nicht unbedingt einen Bogen über 50 Pfund schiessen.
Beim Roving gelten im großen und ganzen dieselben Regeln, mit der Ausnahme, dass die Entfernungen variieren. Es werden normalerweise Entfernungen zwischen 100 und 200 Yard geschossen. Manchmal sind es aber auch kürzere Entfernungen, die aber nur indirekt geschossen werden dürfen. Was die Technik betrifft, so gehen wir in der horizontalen in den vollen Auszug und knicken dann in der Hüfte ein. Das ist aber einfacher wenn ich zusätzlich das hintere Bein etwas beuge. Damit ich meinen Ankerpunkt beibehalten kann, macht es Sinn verschiedene Pfeilsets für verschiedene Entfernungen bereit zu haben. Ähnlich wie die Golfer verschiedene Eisen verwenden. Für die ganz kurzen Entfernungen muss man allerdings vom ankern absehen und darf nur vorsichtig schnippen.
Clout shootFlight shoot

Zum Flight Shooting als solches kann man nur sagen, dass es am besten ist, wenn man sich das Ganze vor Ort anschaut und eigene Erfahrung sammelt. Bei einem Turnier bekommt man von den Spezialisten gerne erklärt wie es funktioniert. Es ist nur eine kleine Gemeinde die sich auf das Flight Schiessen spezialisiert hat und entsprechend zusammenhält. Es ist deshalb schon beinahe Teamwork wenn jemand einen neuen Rekord schiesst. Meistens sind Pfeil- und Bogen selbst gebaut. Man experimentiert mit verschiedenen Schäften, Spinen, Federformen, Spitzen etc. herum und das macht diese Disziplin so reizvoll. Das Material muss an seine Grenzen geführt werden, auch wenn es einem von Zeit zu Zeit um die Ohren fliegt.
Die Türken sind in dieser Disziplin wohl die Besten mit ihren Compositbögen. Diese aus Horn, Sehne und Holz gefertigten Bögen sind sehr aufwendig herzustellen. Früher hat man dafür 5 Jahre gebraucht, wohl in erster Linie wegen des Trocknungsprozesses des Sehnenmaterials.

Am besten ist es, wenn man die Disziplinen Field, Clout, Roving und Flight Shooting kombiniert.
On the MarkMark Stratton mit 150 lbs Warbow

Heavy Bows

Man fragt sich, wie ein Bogen mit einem Zuggewicht von 100 bis 150 Pfund überhaupt gezogen werden kann, bzw. wie das die Langbogenschützen im Mittelalter geschafft haben. Tatsache ist, dass ein normaler Kriegsbogen (Warbow) zwischen 80 und 120 Pfund Zuggewicht hatte. Natürlich kann man auch einen Langbogen mit 150 Pfund ziehen, aber das ist dann eher die Ausnahme. Um das zu schaffen, muss man schon in jungen Jahren anfangen bestimmte Muskelgruppen zu trainieren, sonst wird man das nicht schaffen.
Will man gezielt darauf hinarbeiten, so muss man regelmässig, über einen größeren Zeitraum mit Bögen trainieren die in 5 Pfund Schritten schwerer werden, und es nicht gleich mit den "Heavy bows" versuchen. Vorsicht Verletzungsgefahr!
Der englische Langbogen hat bezüglich der Technik eine Besonderheit im Vergleich zu den europäischen Bögen des Mittelalters. Diese Bögen werden nicht wie gewohnt bis zum Ankerpunkt im Mundwinkel, sondern weit darüber hinaus gezogen. Dieser extra lange Auszug (32" anstatt 28") bringt aber eine wesentlich bessere Weite. Das heißt aber auch, dass ich einen entsprechend langen Pfeil benötige. " The long English arrow".
Auch in Japan hat man diesen Vorteil erkannt und die gleiche Technik verwendet. So machte man aus einem Jagdbogen einen Artilleriebogen.
Diese 4 Zoll mehr an Auszug haben aber auch seinen Preis, so hat man beispielsweise bei einem 80 Pfundbogen dann 100 Pfund auf den Fingern!
Bei diesen Zuggewichten muss man dann nicht mehr darauf achten, dass sich Pfeil und Zugarm auf einer Ebene befinden, die immense Zugkraft zieht alles auf eine Ebene. Bei der Technik des Auszugs verfährt man ansonsten wie gehabt. Es gibt allerdings eine besondere Variante, den "high draw" den man sich aber besser nicht angewöhnt.
Beim Feldbogensport ist dieser verboten, aus verständlichem Grund. Löst sich nämlich der Schuss versehentlich, kann ich weit über das Ziel hinausschiessen und das ist gefährlich. Also besser horizontal in den vollen Auszug gehen "T-draw" und dann rückwärts lehnen. Wenn es um das Quäntchen an Extra-Weite geht, pusche ich meinen Bogenarm zusätzlich Richtung Ziel. Die historischen Pfeile wiegen etwa 75 Gramm und haben eine 8 Zoll Befiederung, damit schiesst man dann um die 220 Yard. Dieselben Pfeile mit einem schwereren Bogen geschossen, gehen dann sogar noch etwas weiter.
Dieses Jahr, also 2008, war ich in Batsford, England dabei, als 2 neue Weltrekorde geschossen wurden. Joe Gibbs, mit 137 lbs. Selfyew Bow, Standard Arrow, 315 Yard. Jeremy Spencer, Laminate Bow 128 lbs. Flight Arrow, 432 Yard.

Hier konnte ich natürlich nicht mithalten, habe aber dafür den ersten Platz im Roving und Jagdturnier gemacht.

Good Luck!
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