Es geht auch ohne Karbon!

Gerade jetzt, wo es endlich eine eigene Holzbogenklasse "Historic Bow" bei internationalen Turnieren gibt!
Und wenn man sieht welche Ergebnisse mit diesen "primitiven" Bögen geschossen werden, kann man getrost auf Glas- oder Kohlefaser verzichten.
Wenn ich also den "puren" Spaß am Bogenschießen haben möchte, dann nehme ich meinen Holzbogen zur Hand. Ist der dann auch noch selbst gebaut, ist der reine Genuß am Bogenschießen nicht mehr zu übertreffen!
Wer vom einfachen Bogenschützen zum echten Liebhaber des Holzbogens werden will, der kann zusammen mit mir einen " Bamboo backed Bow" bauen. Das arbeiten mit Holz macht unbeschreiblich viel Spaß und man kann dabei sehr kreativ sein. Dieser Bogen ist dann so einmalig wie man selbst. Hier kann man sich selbst verwirklichen. Die Eigenheiten des Holzes schränken uns in unserer Kreativität wohl etwas ein, aber das macht das Ganze gerade so reizvoll.

Dafür haben wir bei der Auswahl des Holzes und des Bogentypes wieder jede Freiheit!
Bamboobacked Osage Bow

Obwohl ich mit Konrad Vögele, den wohl besten Bogenbau-Lehrer hatte, brach mir mein erster "Selfbow" beim Einschießen, allerdings erst in Irland. Wer dieses hässliche Geräusch kennt, weiß wovon ich rede und möchte das nicht wieder erleben. Es gehört aber auch zum Lernprozess dazu, nur aus Fehlern lernt man wirklich.
Was ich aber damit sagen will ist, dass der Bau eines "einfachen Holzbogens" nicht zwangsläufig auch einfach sein muß. Viel einfacher dagegen ist der Bau eines Holzbogens mit Bambus Backing. Das Verfahren habe ich von Dean Torges abgeschaut und die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen. Diese Bögen sind nicht nur viel Widerstandsfähiger als reine Holzbogen, sie bringen auch mehr Leistung.
Die Methode ist denkbar einfach und flexibel. Man kann hierbei sein Bogendesign beliebig verändern, ohne jeweils eine neue Bogenpresse bauen zu müssen. Bei diesem Verfahren arbeitet man mit dem Bogenrücken nach oben und gibt dem Bogen seine Form indem man den Bogen an einer Werkbank festschraubt anstatt in eine Bogenform zu pressen. Durch kürzere oder längere Abstandhölzer gebe ich dem Bogen mehr oder weniger Reflex oder Deflex. Ich verwende ausschließlich Holzleim (Tidebond III) und brauche somit keine Wärmebox, wie es bei 2-Komponenten Epoxy Klebern der Fall ist. Da ich auf Fiberglas verzichte, macht dieses Laminierungsverfahren viel Spaß, denn Bambus und Holzleim sind ungiftig. Außerdem bringt ein "Bamboo backed Osage Bow" eine hervorragende Leistung, obwohl historisch.
AccessoriesWerkzeug

Beim Bogenbau geht es auch ohne "Power Tools"!

Natürlich ist eine Bandsäge oder eine Hobelmaschine eine große Hilfe, aber wer hat schon den Platz dafür?
Die nebenstehenden Werkzeuge, Zubehör und Material sollten allerdings zur Ausstattung gehören. Für den Minimalisten reichen aber auch

als Werkzeug:
Säge, Rundfeile, Raspel und Ziehklinge.

Zubehör:
Schraubzwingen (C-Clamps), Tillersehne, Tillerbrett.

Material:
Bogenholz (Board,Stave), Backingmaterial, Griffholz, Nockmaterial, Kleber und Holzschutz.
Material

Und damit unser Bogen auch die passende Sehne bekommt, machen wir diese auch gleich mit. Im traditionellen flämischen Spleiß, so wie es die alten Bogner gemacht haben.

Jetzt fehlt nur noch der passende Pfeil, das wichtigste überhaupt, dann kann man schon Probeschießen gehen. Beim Rohschafttest probieren wir verschiedene Spinwerte aus und geben dann den Besten in Serie. Die Künstler können dem Pfeil sogar noch ein schönes Cresting verpassen und anschließend so wetterfest machen, dass er auch unter irischen Wetterverhältnissen noch gut fliegt.

Pfeilbau ist nicht schwierig, es sei denn man hat zwei linke Hände. Ich bin auch nicht als " Fletcher" auf die Welt gekommen, sondern habe es mir mehr oder weniger selbst beigebracht. Wie beim instinktiven Schießen, macht die Übung den Meister. Vor allem rede nicht nur davon, versuche es einfach. Du kannst sogar eine Menge Geld sparen, denn gerade als Anfänger verschießt man die meisten Pfeile. Es macht auch riesigen Spaß, besonders wenn man es zusammen mit Freunden, in einer gemütlichen Runde macht.

Zunächst muß man sich fragen, was für welche Pfeile man bauen möchte. Einfache Trainingspfeile für das Feldschießen oder Roving? Besonders korrekte Pfeile für ein wichtiges Turnier oder Meisterschaft? Oder besonders schön verzierte Pfeile mit Cresting und Jagdspitzen? Vielleicht historische, mittelalterliche Pfeile, getapert oder gebarrelt mit Bodkin Spitzen?
Und vor allem, was darf es denn überhaupt kosten?
Ich gehe jetzt einfach einmal davon aus, dass wir für den Anfang nur Trainingspfeile bauen möchten.
Zunächst muß ich den benötigten Spine (Biegesteifigkeit) herausfinden. Das hängt davon ab, welches Zuggewicht der Bogen und welchen Auszug der Schütze hat. Und umso schneller der Bogen und die dazugehörige Sehne ist und umso größer der Auszug des Schützen ist, desto steifer sollte der Pfeil sein.
Ein Jagd Recurve z.B. ist wesentlich schneller als ein englischer Langbogen. Eine Dacron Sehne gibt weniger kinetische Energie an den Pfeil weiter als eine schnelle Fastflite Sehne aus Kevlar. Pro Zoll mehr Auszug (28" normal) sollte man, je nach Zuggewicht des Bogens, zwischen 2 und 5 Pfund dazu zählen. Ähnlich verhält es sich bei den Spitzen, pro 25 Grain weniger Spitzengewicht (125 grain Basis) sollte man etwa 3 lbs dazu geben. Eine schwere Spitze (Masseträgheit) macht den Pfeil nämlich weicher.
Beispiel: Ich schieße einen American Flatbow (Longbow) mit 45# Zuggewicht @ 28" und Fastflite Sehne. mein Auszug ist 27", die Spitze wiegt 100 gn. Die Rechnung sieht wie folgt aus:

Moderner Longbow, Reflex-Deflex= +5#
Weniger Zuggewicht auf den Fingern= -3#
Fastflight Sehne anstatt Dacron= +5#
Spitzengewicht nur 100 Grain= -3#

= 45+5-3+5-3= 49 lbs, d.h. Mein Spine liegt also zwischen 45+ 50lbs.

Ein Zedernholzschaft kostet nur unwesentlich mehr als einer aus Fichtenholz oder Kiefer. Also entscheide ich mich für die Zeder. Dieses Holz ist nicht nur leichter bei gleichem Spine, es riecht bei der Verarbeitung auch wunderbar nach ätherischen Ölen. Ich fange mit dem anspitzen des Nocks an. Dafür benötige ich einen Spitzer mit zwei verschiedenen Öffnungen. Der stumpfe Winkel ist hierbei für den Nock und der spitzere Winkel für die Spitze vorgesehen. Als Kleber kann ich Uhu Hart und alle speziellen Fletching Cements empfehlen. Achte beim kleben auf jeden Fall darauf, dass die Maserung des Holzes im rechten Winkel zur Sehnenkerbe des Nocks verläuft und gut ausgerichtet ist.
Nun brauchen wir aber ein Befiederungsgerät. Normal verwendet man 3 Federn. Manche nehmen auch 4 Federn, die Indianer waren mit nur 2 zufrieden. Lege den Pfeil so in das Gerät, dass du mit der Leitfeder (Cock Feather) anfängst. Der Nock hat manchmal einen Indicator, daran kann man sich orientieren. Welche Federform du verwendest und wie lang diese sein sollte, das hängt in erster Linie von deinem Geschmack ab. Nur solltest du wissen, dass eine kürzere Feder weiter fliegt als eine lange. Dafür stabilisiert sich eine längere Feder schneller. Wichtiger als die Form ist aber sicherlich die Farbe. Für das instinktive Schießen empfielt sich eine helle Federfarbe, weiß und gelb oder orange. Sollte man wirklich einmal daneben schießen, so freut man sich wenn man den Pfeil schnell wieder findet, besonders im dunklen Wald. Sehr schön sieht die Kombination naturgebarred als Cock und rot, orange und blau als Henn Feder aus.
Sollte man stolzer Besitzer eines Multi- Befiederungsgerätes sein, kommt man gut mit dem Kleber aus, bei einem Einfach Befiederungsgerät geht es mit speziellem, doppelseitigem Klebeband viel schneller.
Nachdem die Federn angeklebt sind sollten sie unbedingt in Flugrichtung eingebunden oder zumindest mit einem Tropfen Kleber gesichert werden. Dieser Übergang schont zum einen die Feder und vermeidet das mögliche Eindringen der Feder in den Handrücken. Also Pflicht für alle die über den Handrücken schießen.
Jetzt kann ich den Schaft auf den persönlichen Auszug ablängen. Das Maß vom Nockboden bis zum Bogenrücken (im vollen Auszug), das ist deine richtige Pfeillänge. Mit dem Tapertool anspitzen oder für Tophat Spitzen stumpf belassen und kalibrieren. Konische Spitzen haben teilweise auch Schraubgewinde, brauchen dann nicht unbedingt geklebt werden. Klebespitzen sollten vorher besser mit Acethon entfettet werden. Am besten halten dann Heißkleber oder Zwei Komponenten Epoxy Kleber. Wir haben die Wahl zwischen Feldspitzen, 3D- Spitzen oder Bullet Spitzen. Jagdspitzen und Mittelalterliche Spitzen oder gar primitive Feuersteinspitzen vernachlässige ich hier.
Ich lasse den fertigen Pfeil zur Kontrolle dann auf der Handinnenfläche kreiseln, um zu sehen ob er schön rund läuft.
Wenn der Schaft bereits lackiert war ist der Pfeil eigentlich fertig. Ich finde persönlich einen Pfeil mit Crowndip und Cresting sehr schön. Das ist aber für einen einfachen Trainingspfeil zu aufwändig. Ansonsten öle ich den Schaft mit einem speziellen Hozschutzöl oder wachse ihn- fertig.

Wenn die Pfeile jetzt so ähnlich wie auf dem Bild oben aussehen, habt ihr es geschafft!

Jetzt aber nichts wie ab ins Gelände oder bringt die Pfeile dorthin zurück wo sie hergekommen sind, in den Wald.

Hals- und Pfeilbruch!
Harry
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